Habt ihr schonmal Kängurufleisch gegessen? Ich habe durch Zufall Känguru Steak in der Auslage eines holländischen Supermarktes entdeckt. Mit einem Kilopreis von 10,99 Euro war das Fleisch relativ preisgünstig und da ich neugierig war und noch nie Känguru gegessen habe, habe ich zwei Steaks mitgenommen.

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Kängurufleisch aus dem holländischen Supermarkt

 

Das Fleisch hat eine tiefrote Farbe und so gut wie kein Fett. Leider konnte man mir nicht sagen, aus welchem Teilstück das Fleisch war. Meine Vermutung geht in Richtung Hüfte/Keule, da das die größten Fleischstücke bei einem Känguru sein dürften.

Aber Kängurus sind doch so süß…

Sollte man Kängurus überhaupt essen? Wie sieht es hier mit dem Artenschutz aus? Bevor hier jetzt ein Aufschrei durch meine Leserschaft geht, möchte ich ein paar Hintergrundinformationen zum Thema Kängurufleisch ins Spiel bringen, denn das Känguru ist keinesfalls eine bedrohte Art. Es hat in Australien keine natürlichen Feinde mehr und vermehrt sich sehr stark. Daher dürfen staatlich zugelassene Jäger jährliche eine bestimmte Quote der Tiere jagen. In Australien werden Kängurus gejagt, wie hierzulande Wild. Von insgesamt rund 50 Känguru-Arten in Australien dürfen jedoch nur 4 gejagt werden.
Kängurufleisch war lange Zeit die wichtigste Fleischquelle der australischen Ureinwohner. Aborigines und auch die weissen Siedler schätzten das magere Fleisch bis ins 20.Jahrhundert sehr. Dann wurde es nach und nach durch Lamm- und Rindfleisch von den Speisekarten verdrängt und galt als minderwertiges „Bush Food“. Bis heute hat Känguru-Fleisch dieses Image nicht ganz ablegen können und der Großteil des Fleisches wird exportiert – davon 80 Prozent nach Europa.

Kängurufleisch ist gesund

Kängurufleisch hat einen niedrigen Cholesteringehalt, ist reich an Eisen und es enthält mehr Proteine und weniger Fett als beispielsweise Rindfleisch. Da das Fleisch sehr mager ist, sollte man es nicht zu weit durchbraten, da es sonst zu fest und zäh wird.

Mein erstes Mal mit dem Känguru Steak

Verwendete Zutaten:

Verwendete Hardware:

Da ich bisher noch kein Kängurufleisch hatte, wollte ich das Fleisch bei meinem Erstversuch natürlich nicht überwürzen. Ich möchte den puren und unverfälschten Fleischgeschmack beurteilen. Lediglich ein paar Tropfen Flüssigsalz mit tasmanischem Pfeffer habe ich an das Fleisch gegeben, bevor es den heissen Grillrost geküsst hat.

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Känguru Steak gewürzt mit Flüssigsalz

 

Ich habe das Känguru Steak auf meinem Weber Kugelgrill zubereitet und für ein schönes Branding habe ich Grill Grates verwendet. Nachdem ich beide Seiten jeweils je 2 x 90 Sekunden auf den heissen Grill Grates angegrillt habe, habe ich die Steaks in den indirekten Bereich gelegt und bei geschlossenem Deckel etwa 7-8 Minuten gegart.

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Das Kängurufleisch auf dem Grill

 

Mit meinem Maverick Einstichthermometer habe ich die Kerntemperatur überprüft und bei 55 Grad habe ich die Steaks vom Grill genommen. Ziel war es, die Känguru Steaks medium zu garen. Nach etwa 2-minütiger Entspannungsphase habe ich die Steaks angeschnitten.

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Känguru Steak mit Tomate-Mozzarella

 

Geschmacklich zwischen Wild, Lamm und Rind

Das Fleisch war herrlich saftig und den ersten Bissen musste ich natürlich sofort zu mir nehmen. Es hatte noch etwas Biss und war geschmacklich doch deutlich anders, als ich es erwartet habe. Warum auch immer – ich habe es geschmacklich mehr in Richtung Rindfleisch erwartet. Entfernt erinnert es auch daran, aber es geht auch in Richtung Wild und Lamm. Zunächst habe ich einen etwas süßlichen Geschmack im Mund, der dann aber eine recht herbe Note bekommt, die man von Wild- oder auch Lammfleisch kennt. Känguru-Fleisch hat einen eigenen Geschmack und man kann es geschmacklich nicht in eine bisher bekannte Schublade stecken. Ich muss zugeben, mein Geschmack ist es nicht wirklich. Es war eine interessante Erfahrung und das Fleisch schmeckt auch nicht schlecht, aber ich bevorzuge dann doch lieber ein gutes Rindersteak und lasse Skippy das Känguru in Zukunft im australischen Busch herumhoppeln. Da gehört es hin und da sollte es bleiben. 😉

Hat jemand von euch schonmal ein Känguru Steak auf dem Rost oder in der Pfanne gehabt? Wenn ja, wie sind eure Erfahrungen?

15 Kommentare

  1. Hallo Thorsten,
    ich habe mal ein Kängurusteak im Restaurant gegessen. Ich fand es wirklich super. Aber selber gemacht zuhause habe ich noch keins.

    Gruß

  2. Ich liebe Känguru Steaks / Fleisch. Liegt vielleicht an meinem halbjährigem Aufenthalt in Down Under.. Dort hab ich es als Steak gegessen, oder auch gewolft als Burger (mit roter Beete und Spiegelei – phänomenal geil).
    Ich glaube es lag aber auch an der Frische und dem Feeling dort. Durfte selbst mal eins auf einer Orangenfarm schießen und der Farmer zeigte uns wie man so richtig schön im Busch grillt!

  3. Ich hatte damals auch im Restaurant den ersten Kontakt mit Känguru, fand es ok, aber war auch nicht so ganz meine Geschmacksoffenbarung wie erhofft. Was ich hingegen sehr sehr gerne gegessen habe, war Straußenfleisch. Das ist wirklich eine Offenbarung und schmeckt sogar viel besser als Rind meiner Meinung nach.
    Also wenn du Hilfe beim Ausprobieren und verköstigen der Skippy-Burger brauchst…
    Ich bringe dir zum Känguru-Burger-Event auch gern das versprochene Thermometer mit… ?

  4. Grille es schon seit 10 Jahre. Super Fleisch.
    Haben in Köln einen Down Under Shop.
    Man(n) bekommt dort auch Kroko und Aussi Bier?
    VG
    Karl us Kölle

  5. Es gab in Berlin mal ein kleines australisches Restaurant (mittlerweile leider zu), in dem ich das Vergnügen hatte Kängeru und auch Krokodil zu probieren.
    Für mich ist beides sehr leckeres Fleisch. Geschmacklich kann man es eigentlich kaum mit irgendwas bekanntem vergleichen. Der Kellner hat uns jedenfalls damals geraten das Fleisch pur und irgendwelche Soßen o.ä. zu essen. Auch wird es nur sehr leicht gewürzt, wie du es ja auch gemacht hast.
    Meine Freundin hat z.B. eine gänzlich andere Erfahrung gemacht, weil ihr Kängeru (woanders) quasi nur nach Gewürzen geschmeckt hat und vom eigentlichen Geschmack des Fleisches nichts mehr übrig war.

    Letztlich ist es am Ende wohl wie bei allem, es ist einfach eine Geschmackssache. Entweder man mag es oder man mag es nicht. Der oben erwähnte Burger ist aber definitv mal einen Versuch wert. Klingt zwar ungewöhnlich, aber irgendwie auch ziemlich geil 😀

  6. Definitiv nix für mich!
    In Berlin am Potsdamer Platz gibt es ein Restaurant was Känguru führt, neben Krokofant etc. Als Steak probiert: geschmacklich nix! Gut, vielleicht mag ich den Stil des Kochs nicht. Hier in Nürnberg gibt es den Dillinger, eine Bar/Restaurant im Beachstyle. Lecker Cocktails und Burger. Haben auch Bison und eben Känguru Burger. Auch hier: lieber nicht, gibt besseres, habe nicht aufgegessen! Letzter Versuch: selbst ist der Griller. Ab in die Metro und frisches Känguru gekauft. Verschiedenes probiert. Erst als der Rub alles übertüncht hat (aus versehen), konnte ich es essen. Das ist aber sicher nicht der Sinn der Sache.
    Ich für mein Teil bin davon geheilt. Lieber was vom MdV aus der Region und nix was lange gereist ist!
    Ansonsten bin ich durchaus ein Wild-Fan, gern als Gulasch etc.
    Grüße

  7. Unser Clubmitglied Nigel Robertson ist gebürtiger Australier und hat uns mit Kängru Steaks überrascht. Ein perfektes Fleisch – das auf dem Foto könnte ein älteres Tier (grobfaserig) gewesen sein. Richtige Fleischesser bleiben Fleischesser – ich glaube es gibt zu viele dieser Tiere in Australien.

  8. Zum Thema Australien kann ich dir den „aussie Burger with the lot“ (heißt wirklich so) empfehlen. Gibt garantiert Maulsperre 😉 Känguru gilt als arme Leute Essen und wird dort eher selten konsumiert. Ich habe es dort gegessen, sowohl als Steak mariniert wie auch als Hackbällchen. Ich fand zweiteres besser, wobei mir dann doch lieber die einheimische Tiere lieber sind.

  9. Hallo,
    mal ne Frage zu regionalen Tieren!
    Wie sieht es denn mit Erfahrungen im Bereich Pferd (Steak) vom Grill aus?
    Ich hab bei uns in Bremen auf’m Wochenmarkt schon öfter mal dran gedacht, mir n Pferde-Steak/-Filet zu kaufen und es zu testen, hab mich aber noch nie überwunden/getraut 🙂

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