Vor einigen Wochen bekam ich eine Anfrage von Westfalia, ob ich nicht Lust hätte deren Batavia BBQ-Grill 4 in 1 zu testen*: „Wir erwarten keinen geschönten Bericht sondern eine faire Bewertung durch Sie als ausgewiesenen Grill-Experten“. Das BBQ-Fass schien mir durchaus reizvoll, da ich einen solchen Grill in UDS-Optik (Ugly Drum Smoker) noch nie hatte.

Der Batavia BBQ-Grill 4 in 1 im Test

Geliefert wird der Grill gut verpackt in einem 60 x 60 x 40 cm großen Karton. Der fachkundige Leser wird jetzt schon feststellen, dass es sich also gar nicht um ein ganzes Faß handelt, bzw. um ein Faß in einem Stück handeln kann.

 

Der Batavia BBQ-Grill aus pulverbeschichtetem Stahl ist in drei Segmente unterteilt, die dann zusammengesetzt werden müssen. Wenn man alle Teile ausgepackt hat, sieht das ganze auf dem ersten Blick recht unübersichtlich aus.

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Die Einzelteile des Batavia BBQ-Grills

 

Die Montage des Grills

Die Montage des Grills geht jedoch überraschend schnell. Die drei Faß-Elemente werden einfach übereinander gesteckt und mit einer Art Bajonettverschluss fixiert, so dass der Grill auch problemlos „am Stück“ transportiert werden kann. Am Grill müssen lediglich seitlich vier Transportgriffe angeschraubt werden. Am Deckel muss der Griff, das Deckelthermometer und ein Zuluftregler, sowie ein Haken zum Einhängen des Deckels am Grill angeschraubt werden und der Kohlekorb muss mit vier Schrauben an einer Art Bodenblech befestigt werden. Alles in allem geht die Montage sehr schnell und ist innerhalb von 20-30 Minuten erledigt.

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Das fertig aufgebaute Grillfaß

 

Wenn der Grill dann fertig aufgebaut ist müssen lediglich noch zwei hitzebeständige Aufkleber angebracht werden. Die restlichen Zubehörteile werden einfach eingehangen. Der Batavia BBQ-Grill ist dabei ziemlich funktionell und gut ausgestattet. So kann man beispielsweise auf mehrere Ebenen Grillen, Räuchern, Schongaren und ihn auch als Feuerstelle nutzen. Mitgeliefert wird beispielsweise ein Feuerring, um den Grill als Feuerschale zu benutzen und auch eine Querverstrebung mit vier S-Haken, zum Heiß- und Kalträuchern. Insgesamt ein ziemlich durchdachtes Konzept.

Hier noch ein paar Detailfotos:

 

Bevor man den Grill ein erstes Mal nutzen kann, sollte man ihn ohne Grillgut aufheizen. Durch das sogenannte „Einbrennen“ werden Produktionsrückstände wie Farben, Lacke und Öle ausgebrannt, die sonst einen unangenehmen Geschmack an das Grillgut abgeben könnten. Eingebrannt habe ich den Grill mit einem 5 kg Sack Holzkohle, der für rund 1,5 Stunden ordentlich Hitze abgegeben hat. Ich war zunächst skeptisch, ob die Aufkleber am Grill diese Prozedur mitmachen, aber sie haben in der Tat gehalten. 🙂

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Der Batavia BBQ-Grill wird mit Holzkohle aufgeheizt und eingebrannt

 

Am nächsten Tag ging es dann los mit dem ersten Test. Low & Slow stand auf dem Programm, denn das Haupteinsatzgebiet dieses Grills ist sicherlich das Garen und Räuchern von Grillgut bei niedrigen Temperaturen um die 110-120 Grad Celsius. Von der Funktion her funktioniert dieser Grill ähnlich wie ein Weber Smoker Mountain, jedoch hat der Batavia BBQ-Grill unten keine Lüftungsregler, sondern lediglich den Lüftungsregler am Deckel, sowie die Klappe im mittleren Segment, durch die man Wasser und Räucherholz nachgeben kann. Ansonsten hat der Grill unten lediglich vier rechteckige Ausschnitte, die zwar für ausreichend Zuluft sorgen, mit denen man jedoch nicht regeln kann. Ein wenig Skepsis war also durchaus angebracht, ob man den Grill wirklich über einen längeren Zeitraum low & slow betreiben kann…

Low & Slow Test mit Rippchen

Der erste Test erfolgte mit Sweet Apple Ribs, welche für 6 Stunden low & slow zubereitet werden sollten. Dafür habe ich rund 7 kg Kokoko Eggs in die Kohleschale des Grills gegeben und diese mit einem Grillstarter-Brikett entzündet. Nachdem rund 10-12 Briketts geglüht haben, habe ich ein paar Räucherholzstücke mit in die Kohlenschale gegeben und dann die Wasserschale mit rund 6 Liter Wasser aufgesetzt.

 

Die Wasserschale hat gleich mehrere Funktionen:

  • Sie dient als Deflektor, so dass die Grillfläche da drüber komplett indirekt ist
  • Sie sorgt für ein feuchtes Klima im Grill
  • Sie dient als Hitzespeicher und sorgt somit für konstante Temperaturen im Grill

Man muss jedoch nicht zwingend Wasser in die Schale tun. Wenn man Sand hinein gibt und dieses mit Alufolie vor heruntertropfendem Fett und Fleischsaft schützt, ist das ebenfalls ein sehr guter Wärmespeicher, der auch nicht verdunsten kann. 😉

Nachdem der Batavia BBQ-Grill rund eine Stunde lief und sich langsam auf 110 Grad eingependelt hat, habe ich die Rippchen aufgelegt. Der obere Lüftungsschieber war dabei rund 1,5 cm weit geöffnet. Zur Kontrolle der Garraumtemperatur habe ich ein Maverick ET-733 Grillthermometer verwendet.
Kleines Manko: Das Deckelthermometer des Grills zeigt rund 30 Grad zu wenig an. Bei 110 Grad Celsius am Rost (gemessen mit dem Maverick), waren es laut Deckelthermometer nur 80 Grad Celsius. Daher sollte man beim Räuchern immer ein zusätzliches Thermometer mit dazu nehmen. Aber das sollte man eigentlich bei jedem Grill, da die Deckelthermometer fast immer „Schätzeisen“ sind.

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Die Rippchen sollten für 6 Stunden im Grill bleiben

 

Zu meiner Überraschung war die Temperatur über die gesamten 6 Stunden sehr konstant und pendelte um die 115 Grad Celsius mit Abweichungen von +/- 5 Grad Celsius. Selbst mehrmaliges Öffnen des Deckels zum Einspritzen der Ribs mit Apfelsaft hat keine größeren Temperaturschwankungen ausgelöst. Das Ergebnis war jedenfalls großartig! Die Ribs hatten einen tollen Rauchrand, einen dezenten Rauchgeschmack und sie waren wunderbar saftig und ließen sich mit etwas Biß vom Knochen lösen. So wie perfekte Spare Ribs eben sein müssen! 🙂

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Sweet Apple Ribs vom Batavia BBQ-Grill

 

Wasser muss regelmäßig nachgefüllt werden

Lediglich der Wasserverbrauch des Grills ist recht hoch. Nach knapp 3 Stunden war das Wasser in der Wasserschale nahezu komplett verdampft und ich musste es nachfüllen. Das geht zwar durch die kleine Tür im mittleren Segment relativ einfach und problemlos, ist aber ein Nachteil, wenn man beispielsweise über Nacht ein Pulled Pork oder Beef Brisket machen möchte und dann alle drei Stunden zum Wasser nachfüllen aufstehen muss. Der Grund dafür ist einfach die Nähe zu den Briketts. Da die Wasserschale quasi direkt auf die Kohleschale gesetzt wird, wird das Wasser durch die glühenden Briketts sehr schnell verdampft. Besser wäre es hier gewesen, wenn die Wasserschale etwas weiter oben im Grill angebracht wäre, ähnlich wie beim Weber Smokey Mountain, so dass sie nicht so viel Hitze abbekommt.
Oder aber man spart sich direkt die Geschichte mit dem Wasser und gibt Sand in die Schale, was in diesem Fall die Ideallösung wäre.

Das Ergebnis war aber wirklich klasse! Der Batavia BBQ-Grill hat über 7 Stunden konstant seine Temperatur gehalten und er hätte sicherlich auch noch deutlich länger durchgehalten, da gerade mal die Hälfte der Briketts verbrannt waren.

 

Direktes Grillen mit dem Batavia BBQ-Grill

Am Folgetag habe ich dann die restlichen Briketts verwendet, um auch noch direktes Grillen zu testen. Dafür hängt man die Feuerschale einfach in das oberste Segment des Grills, füllt sie mit Briketts oder Holzkohle und legt den Grillrost auf.

 

Die große Kohleschale ist hier sehr praktisch, da man so eine zwei Zonen Glut einrichten kann und die glühenden Briketts nur einseitig in die Schale gibt und fertig Grillgut so auf der anderen Seite des Rostes warm halten kann. Mit einem vollen Anzündkamin Kokoko Eggs kann man so problemlos mehrere Stunden am Stück grillen, ohne Kohle nachlegen zu müssen. Auch das Grillergebnis beim direkten Grillen kann sich sehen lassen!

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Herrlich gebräuntes Grillgut auf dem Batavia BBQ-Grill

 

Im Lieferumfang enthalten:

  • 1 x Grill-Fass bestehend aus 3 Segmenten
  • 1 x Grillrost verchromt: ca. Ø 52,8 cm
  • 1 x Deckel mit Lufteinlass und Edelstahl Temparaturanzeige
  • 3 x hitzebeständige Handgriffe (ca. 11 cm breit x Ø 3 cm)
  • 1 x Zylinder Wärmering als Kamin-/Feuerschutz
  • 1 x abnehmbare Lüftungsklappe
  • 1 x Stahlwasserwanne: ca. 6,2 Liter
  • 1 x Holzkohle Schale: ca. Ø 46 cm/12,8 cm
  • 1 x hitzebeständige Bodenplatte – Stahl verzinkt
  • 1 x Edelstahl Querverstrebung zum Räuchern
  • 4 x Edelstahl Fleisch/Fisch Haken (S): ca. 10 cm Länge
  • 2 x Thermosticker (4Grill Logo/Natural Born Griller)

 

Fazit

Der Batavia BBQ-Grill ist ein universeller 4-in-1 Grill, der mit vor allem mit seiner Flexibilität und umfangreichen Ausstattung punkten kann. Man kann diesen Grill auf drei Ebenen nutzen, man kann Räuchern, direkt Grillen, low & slow Garen und ihn als Feuerstelle nutzen. Praktisch ist auch das mitgelieferte Zubehör, wie die Querverstrebung zum Räuchern mit den S-Haken. Verbesserungsbedürftig ist das ungenaue Deckelthermometer, sowie die zu tiefe Position der Wasserschale, die einen hohen Wasserverbrauch nach sich zieht. Durch den Einsatz von Sand kann man dieses Problem jedoch einfach umgehen.
Trotz fehlender Regelungsmöglichkeiten im unteren Bereich läuft der Grill im low & slow Bereich überraschend konstant und kann hier durchaus mit höherpreisigen Watersmokern mithalten. Wo wir gerade beim Preis sind: Der Batavia BBQ-Grill kostet in der Einführungsphase 174,99 Euro statt 244,99 Euro. Ein durchaus fairer Preis für diesen universellen all-in-one Grill!

Batavia BBQ-Grill BBQPit-Testsiegel Batavia BBQ-Grill 4 in 1 im BBQPit-Test-batavia bbq-grill-Westfalia Batavia BBQ Grill Testsiegel BBQPit

*Der Grill wurde mir kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt, was jedoch nicht das Testergebnis, bzw. meine eigene Meinung zu diesem Produkt beeinflusst.

13 Kommentare

  1. Moin, kommenden Woche bin ich in Dänemark und wollte mir einen WSM kaufen. Würdest Du den Batavia dem WSM vorziehen ? Weil er zum Beispiel alles genau so gut kann und günstiger ist. Weil er flexibler ist. (Wenn er es denn ist)? Ich muss zugeben, dass ich ein wenig ? markengeil bin. Ähem. Aber warum nicht ?

    LG. Dirk

    • Hi Dirk, der WSM ist sicherlich der hochwertigere Grill, kostet aber auch das Dreifache. Vorteil vom WSM ist sicherlich die bessere Regelung und die 2 Etagen für den gewölbten Deckel. Der Batavia ist eine preiswerte Alternative für Leute, die nicht 500-600€ für einen WSM ausgeben möchten und mit den genannten Einschränkungen leben können. Das Preis-/Leistungsverhältnis vom Batavia BBQ-Grill ist jedenfalls genial! Die Entscheidung musst du letztendlich selber treffen.

  2. Hallo Thorsten, danke für den interessanten Test.
    Kannst du mal bitten den genauen Durchmesser der Tonne messen? Geht einfach darum, ob z.B. die Rotisserie von Weber oder anderes Zubehör (ODC Gussrost für direketes Grillen) kompatibel mit dem Batavia-System ist. Theoretisch könnte auch eine Ebene des Batavia als „Stacker“ für einen 57er Weber genommen werden. Pimps sind dann viele möglich.
    Gruß, Uli

  3. Hallo Thorsten,
    sehr schöner Test. Vielen Dank!
    Ich habe aber eine Frage zu den Ribs:
    Du hast 7kg Kohle in die Kohleschale geschüttet (kein Minionring) und mit einem Grillstarter-Brikett angezündet? Dann hast du die Temperatur nur mit dem Deckellüfter eingestellt? Und dann hat der Grill 7 Stunden die Temperatur konstant gehalten und dabei nur die Hälfte der Briketts (natürlich die guten Kokoko Eggs) verbraucht?
    Das klingt ja unglaublich.
    Meinst du, dass man mit dem Grill auch ein Pulled Pork oder ein Brisket hinbekommt? Oder muss man dann Briketts nachlegen?
    Übrigens gibt es den Grill gerade im Netto-Online-Shop gerade für 149€ ohne Versandkosten.

    Gruß, Henning

    • Hallo Henning, ja das siehst du richtig. Auch ein Pulled Pork oder Brisket wird mit dem Grill machbar sein. Die Schale fast ca. 9-10 kg Briketts maximal und ich denke damit sind problemlos bis zu 20 Stunden am Stück drin.

  4. Hi,

    Danke für den Test, ich habe ihn mir bei Lidl Online für 149€ + Porto bestellt. Bisher hatte ich immer meinen 57er Weber im Einsatz (bis 20 Stunden), aber mit dem Minion Ring kommt man schon mal an die Grenze und die Hitzeverteilung ist leider nicht ideal bei größeren Mengen Fleisch. Ich denke das klappt mit dem Batavia deutlich besser. Unter Umständen lässt sich ja auch noch etwas ändern/umbauen um ihn unten regeln zu können, aber das scheint ja nicht nötig zu sein.

    Da er viel Wasser verbraucht würde ich eventuell eine Schicht Sand in die Wasserschale füllen und eine separate Wasserschüssel auf den Sand stellen, das müsste doch klappen? Was habt ihr für Erfahrungen mit dem Wasser gemacht, ist die Feuchtigkeit im Grill von Vorteil oder nötig beim BBQ?

    Nächste Woche habe ich Urlaub, da wird er gleich mal getestet, vielen Dank für den tollen Tipp!!

    Grüße Matthias

  5. Hi,
    wenn man Sand in die Schale tut, wird das PP dann nicht etwas trockener?

    Habe auch mit dem Gedanken gespielt den Batavia Grill zu kaufen. War aber nicht zu 100% überzeugt. Dann habe ich deinen tollen Test hier gelesenen und hab für 150 € bei Lidl zu geschlagen.
    Hab dann gleich mal 3-2-1 Tips gemacht. Hatte aber das Problem das ich die Temperatur nicht über 85% grad gebracht habe. Luftzufuhr oben war voll offen. Jetzt frage ich mich ob das an der Konstruktion des Grills liegt, oder an den „billigen“ Briketts vom Lidl. Die Konstruktion selbst lenkt den Luftstrom leider nicht wie beim Weber von unten „durch“ die Briketts.

    Du hattest das Temperatur Problem mit den Kokoko-Eggs nicht. Kann das so einen großen Unterschied machen? Ich meine über die längere Distanz schon klar. Aber nicht mal die Starttemperatur habe ich über 85 Grad gebracht. werde heute nochmal einen Test mit proFagus Briketts machen.

    Insgesamt macht mich das aber etwas unzufrieden und bin unschlüssig ob ihn wieder zurückgebe.

    Grüße
    Manfred

    • Hallo Manfred, wie viele Briketts hast du denn beim Starten genommen? Hier vielleicht etwas mehr „Power“ in den Grill geben, damit er höhere Temperaturen erreicht. Mit den Kokoko Eggs lief er bei mir sehr gut.

  6. Aloha Manfred,

    vielen Dank für den tollen Bericht! Dein Bericht ist einmalig, man findet sonst noch keine genauen Infos zu dem Fass 😉
    Ich spiele schon länger mit dem Gedanken mit einen WSM zu holen – wollte eigentlich den Weber… ist aber sehr teuer 🙁
    Hauptgrund: Ich will viele Ribs auf einmal machen können – bei der 57er Kugel ist man schnell am Limit.
    Was meinst Du, der Batavia hat ja „nur“ eine Ebene – wieviel Ribs-Leiterchen wird man da in ewa draufbekommen?

    Liebe Grüße
    Helmut

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