Beim 285 Euro Luxus-Steak handelt es sich um ein japanisches Kobe Steak aus der Hochrippe (Entrecote) von einem reinrassigen japanischem Tajima-Rind aus der japanischen Präfektur Hyogo. Nur reinrassige Tajima-Rinder aus dem Verwaltungssitz Kobe dürfen überhaupt die Bezeichnung „Kobe Beef“ tragen. Alles Andere ist nur Marketing. Wenn euch irgendwo „Wagyu Kobe Style Beef“ angeboten wird, ist das schlicht und ergreifend ein Marketing-Gag und sonst gar nichts. Mit echtem Kobe Rind hat das nichts zu tun!

Japanisches Kobe Steak im Test

Nachdem ich vor einiger Zeit die Gelegenheit hatte das Kobe- und Ozaki-Beef von Otto Gourmet zu testen, war es nun an der Zeit mal ein echtes japanisches Kobe Steak zu probieren. Keine Probierhäppchen, sondern ein richtiges Steak. Ein exakt 664 g schweres Entrecote Steak wurde mir freundlicherweise von den Fleischliebhabern von Rabattzauber zur Verfügung gestellt. Dieses Prachtexemplar hat einen BMS (Beef Marbling Score) von 6-7. Der Preis bei Otto Gourmet beträgt 429 Euro pro kg. Dieses 664 g schwere Steak kostet somit 285 Euro. Absolut irre, oder?

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664 g feinstes japanisches Kobe Beef

 

Ein japanisches Kobe Steak ist somit natürlich etwas Besonderes und kein Steak für jeden Tag. Ich habe mich dazu entschlossen dieses Steak beim DOOT 2015 (Dutch Oven Offline Treffen) zu grillen und somit auch vielen Grillfreunden die Möglichkeit gegeben dieses Steak zu probieren. Vor allem aber haben mich auch die Meinungen der anderen Testesser interessiert.

  • Wie schmeckt es?
  • Ist ein japanisches Kobe Steak den hohen Preis wirklich wert?
  • Ist der Fettanteil vielleicht doch zu hoch?

Um diese Fragen zu klären, muss dieses Steak aber erst einmal zubereitet werden. Ich habe schon viele Steaks gegrillt. Auch hochwertige und teure Steaks, aber noch nie ein Steak in dieser Preisklasse. Ich muss zugeben, man geht hier schon mit einer gehörigen Portion Respekt an die Sache heran. Schliesslich will man das gute Steak auf keinen Fall versauen. Wie also zubereiten? Klassisch auf dem Rost? In der Pfanne? Gewürzt? Ungewürzt?

Ich entschied mich letztendlich für die Zubereitung in einer Gusseisenpfanne, da ich das Fett auffangen wollte. Kobe-Fett beginnt schon bei Raumtemperatur zu schmelzen. Da dieses Steak einen sehr hohen Fettanteil hat, wollte ich das wertvolle Fett nicht einfach in einen Grill tropfen lassen. Ich habe das Steak also in einer Pfanne zubereitet, welche ich auf einem durchgeglühten Anzündkamin mit Kokoko Kokoskohle aufgeheizt habe. Nachdem die Pfanne richtig aufgeheizt war, habe ich das japanische Kobe Steak in die ungefettete Pfanne gegeben.

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Die intensive Marmorierung ist das Merkmal von Kobe Beef

 

Das Steak hat genug Fett und dieses Fett tritt unmittelbar nach Kontakt mit der heißen Pfanne aus. Es zischt, es bruzzelt, die Pfanne ist richtig heiß und sorgt innerhalb von etwa 90 Sekunden für tolle Röstaromen am Steak. Nach weiteren 90 Sekunden auf der anderen Seite habe ich das Steak aus der Pfanne genommen und auf einem Schneidbrett ruhen lassen. Das ausgetretene Fett in der Pfanne haben meine Grillfreunde von der Sauerländer BBCrew in der Zwischenzeit für ein Dutch Oven Gericht verwendet.

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Das japanische Kobe Steak wird in einer heißen Gusspfanne zubereitet

 

Nach kurzer Ruhephase war es Zeit das Steak anzuschneiden. Da dieses Steak mit 2 cm Dicke recht dünn war, braucht man es nicht großartig indirekt gar ziehen. Beidseitig hohe Hitze für 90 Sekunden und eine anschliessende Ruhephase von 2-3 Minuten reichen vollkommen aus um das japanische Kobe Steak auf den gewünschten Garpunkt medium-rare zu bringen. Als ich das Steak aufgeschnitten habe, war ich erleichtert. Es war schön rosa. Man hätte sich mal vorgestellt, ich hätte dieses Steak versaut und durchgebraten… und das vor Publikum. 😉

 

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Anschnitt des Kobe Steaks

 

  • Der erste Bissen: Pur ohne Würzung
  • Der zweite Bissen: Ich gebe ein paar Maldon Salzflocken über das Steak

Es ist unfassbar zart, es ist mehr als saftig. Es ist unbeschreiblich. Es zergeht förmlich auf der Zunge. Aber: Es hat auch relativ wenig Eigengeschmack. Ohne Salz ist es geschmacklich fast langweilig. Man kann es nicht mit einem geschmacksintensiven trockengereiftem RibEye Steak vergleichen. Mit den knusprigen Maldon Salzflocken ist es jedoch eine Offenbarung. Mehr braucht es aber auch nicht. Kein Pfeffer, nur etwas gutes Salz. Das zarte Fleisch, das Fett und das Salz auf der Zunge ist schon etwas ganz Besonderes. Das zartschmelzende Fleisch zergeht auf der Zunge und das Aroma bleibt lange im Mund.

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Japanisches Kobe Steak hat eine tolle Textur

Ist ein japanisches Kobe Steak das Geld wert?

Wenn man mal ehrlich ist, ist es absoluter Irrsinn so viel Geld für ein Stück Fleisch auszugeben. 285 Euro für ein Steak! Dafür bekommt man auch problemlos 5-6 kg feinstes dry-aged Beef. Der Hype um Kobe Beef ist meiner Meinung nach etwas übertrieben. Man sollte es aber in jedem Fall mal probieren, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Als Steakliebhaber muss man es sogar, damit man mitreden kann. Es ist anders, es ist gut. Es ist sogar sehr gut. Es ist ein tolles Mundgefühl. Es ist ein Genuß ein solches Steak zu essen. Aber ist nicht die ultimative Steakoffenbarung, die man vielleicht erwartet. Man kann auch kein 600 g schweres Kobe Steak mal eben so verputzen. Dafür ist der Fettanteil einfach zu hoch. Ich habe kein Problem ein „normales“ 600 g Steak zu essen, wenn ich richtig hungrig bin. Bei einem Kobe-Steak geht das nicht. Nach 200 g ist Schluss – maximal.

Ich werde mir vermutlich irgendwann mal wieder solch ein tolles Stück Fleisch gönnen, aber es ist nicht mein persönlicher Steak-Höhepunkt, den ich jetzt regelmäßig haben muss. Für mich tut es ein schönes hochwertiges trockengereiftes Steak für ein Zehntel des Preises allemal. Dennoch ist ein Kobe-Steak eine tolle Erfahrung, die man einfach mal gemacht haben muss. Wer Kobe Beef jetzt einmal probieren möchte, dem empfehle ich die Probierpakete bei Otto Gourmet. Hier bekommt man für relativ kleines Geld echtes japanisches Kobe Beef zu probieren. Bevor man sich direkt ein richtiges Steak kauft, sollte man erst einmal probieren, ob einem das Fleisch überhaupt zusagt. Es ist nicht jedermanns Sache, wie die Verkostung unter Grillfreunden herausstellte. Für die einen ist es das Größte, für die anderen aber auch nicht…

Wie sieht es bei euch aus? Würdet ihr euch ein japanisches Kobe Steak bestellen?

4 Kommentare

  1. Ein interessanter Beitrag. Bin absolut konform mit der Einschätzung, dass da ein grandioser Hype um ein Stück Fleisch gemacht wird.
    Ehrlich gesagt schaut es weder roh noch gebraten appetitlich aus. Würde ich so erwarten von einer Nation, die rohen Fisch und andere „Spezialitäten“ als Delikatesse schätzt.
    Ein ehrliches Ribeye mit Bratkartoffeln ist mir lieber…
    Aber wie gesagt: ein interessantes Experiment.

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